Protonentherapie - Mitten ins Ziel

(Mit freundlicher Genehmigung der Passauer Neuen Presse)
Wer an Krebs erkrankt, begibt sich nach dem ersten Schock vertrauensvoll in die Hände des behandelnden Arztes, um den weiteren Weg und die Therapieempfehlungen zu besprechen. Doch nicht immer sind die angepriesenen Chemotherapien oder Operationen der Weisheit letzter Schluss.

Allzu häufig wäre noch mehr drin für die  Patienten – vor allem wesentlich schonender, als viele wissen. Seit einigen Jahren können Patienten mit einer besonderen Art von Strahlentherapie, der sogenannten Protonentherapie, behandelt werden. Dabei werden mithilfe von Zyklo- oder Synchrotronen, sogenannten Teilchenbeschleunigern, Protonen beschleunigt, die dann in den Körper eindringen und die Krebszellen zerstören. Die Partikel geben zunächst wenig Energie an das durchquerte Gewebe ab und führen erst am Ende der Abbremsung zu einer Art Energieexplosion, mit der sie die Krebszellen zerstören. Indem sie die den überwiegenden Teil ihrer Energie erst am Ende freisetzen, ist die Protonentherapie nicht nur extrem wirkungsvoll, sondern schont auch das vor und hinter dem Tumor liegende Gewebe.


Sieht man dazu im Vergleich die immer noch gängige Bestrahlung mittels Röntgenstrahlen, liegt der Vorteil klar auf der Hand: Denn liegt der Tumor z.B. 20 cm tief, verbleibt der größte Teil der Röntgenstrahlen im gesunden Gewebe, und der Tumor selbst bekommt nur noch relativ wenig Strahlung ab. Weiterhin hört damit die zellzerstörende Strahlung nicht auf, sondern sie geht auch hinter demTumor weiter ins gesunde Gewebe. Als Folge leiden viele Patienten hinterher darunter, dass wichtige Organe in ihrer Funktion stark beeinträchtigt sind. Wer beispielsweise im HNO-Bereich bestrahlt wird, fühlt sich hinterher oft ausgetrocknet, da die Speicheldrüsen nicht mehr richtig funktionieren. Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs hingegen berichten oft von Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen, weil der angrenzende Darm durch die breitflächige Verstrahlung in Mitleidenschaftgezogen wird. Protonenstrahlen ermöglichen im Vergleich zu Röntgenstrahlen auch eine Anhebung der Tumordosen, wobei sich die Schadensdosis im gesunden Gewebe trotzdem verringert. Der Grund dafür ist die dreidimensionale Zielgenauigkeit der Protonenstrahlen.

Anders als bei den zweidimensionalen Röntgenstrahlen, kann der Protonenstrahl genauestens auf den Tumor platziert werden, so dass auch hinter dem Tumor keine Strahlung mehr weitergeht. Durch diese genaue Lokalisierung und Lenkbarkeit der Protonen wird verhindert, dass der Körper darüber hinaus unnötig belastet und geschädigt wird. LautAussagen von Experten sind die Patienten nach der Behandlung mit Protonenstrahlen erfahrungsgemäß so fit, dass die Behandlung ambulant durchgeführt werden kann. Dadurch wird ermöglicht, dass sie ihr Leben ohne große Qualitätseinbußen fortführen können und ein stationärer Aufenthalt überflüssig wird. Dieser Gewinn am Fortbestehen der Lebensqualität ist für die Patienten enorm wichtig, da eine positive Lebenseinstellung und die weitere Teilnahme am täglichen Leben die Psyche und damit auch den Körper in ihrer Gesundung fördert. Zudem sinkt das Risiko eines Zweittumors als Spätfolge der Bestrahlung erheblich. Demnach sollten Kinder, wenn überhaupt, mit Protonen bestrahlt werden. Die Prothonentherapie ist grundsätzlich bei allen Tumorerkrankungen sinnvoll, bei denen auch bisher die Strahlentherapie eingesetzt wurde. Zudem ergeben sich, gerade bei schwer zu bestrahlenden Tumoren, die aufgrund der Nachbarschaft empfindlicher Organe schwer zugänglich sind, erweiterte Möglichkeiten. Dies gilt z.B. für Tumore am Rückenmark oder Stammhirn sowie, insbesondere auch für die Behandlung von Rezidiven und multiplen Metastasen. Die Kosten der Behandlung übernehmen derzeit noch nicht alle Krankenkassen. Einige bewilligen die Protonenbestrahlung, andere entscheiden nach Einzelfall.
Eva Herzog

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