Kürzlich kürte der Zonta Club Bad Soden-Kronberg die YWPA-Gewinnerinnen 2019. Sonja Marschall, Gewinnerin YWPA 2019; Taima Rahmann, zweiter Platz 2019 und Lea Hellé, zweiter Platz 2019 (von links). Foto: Dr. Charlotte Eckhardt-Letzelter, Königstein

Schon früh wusste sie, dass sie Ärztin werden wollte, Kinderärztin, um genau zu sein.
Im Rahmen ihrer Arbeit mit Familien und Kindern, der sie neben der Schule nachgeht, kam sie 2016 in Kontakt mit einem krebskranken Kind. Während der Therapie und der Betreuung des Geschwisterkindes stellte sie fest, dass es kein Buch gab, dass kindgerecht erklärt, was Krebs ist und wie man damit umgehen kann. Also schrieb sie kurzerhand selbst eins, in Kooperation mit verschiedenen Unikliniken: Lotte und die Chemomännchen.  Zwischenzeitlich hat sie einen Verlag gefunden, der ihr Buch herausbringt, geht nach dem Abitur auf Lesereise und bereitet eine Ausstellung in der Frankfurter Experimenta zum Thema „Starke Kinder“ vor, in der Bilder von Kindern ausgestellt werden, die sie auf ihrer Lesereise getroffen hat. „Sonja Marschall ist eine Ausnahmeerscheinung, die sehr fokussiert und Relevanz bezogen denkt. Bereits in jungen Jahren hat sie sehr viel gemacht“, würdigt Dr. Charlotte Eckhardt-Letzelter, Vorsitzende des YWPA-Komitees im Zonta Club Bad Soden-Kronberg, die Preisträgerin in ihrer Laudatio.
„Dabei ist sie bescheiden und nutzt ihre Begabung nicht etwa nur für das eigene Fortkommen, sondern um andere zu unterstützen“, so  Eckhardt-Letzelter weiter.
Tatsächlich beschreibt sich Sonja selbst als Person, die Themen aufgreift, die nicht gut laufen, um aktiv zu werden und Einfluss zu nehmen. Außerdem sei sie sehr reflektiert und reif, nicht nur für ihr Alter. „Als Beispiele möchte ich zwei Gedanken aus den Bewerbungsunterlagen nennen, die mir besonders imponiert haben“, hebt Eckhardt-Letzelter hervor, „zum einen hat sie zu ihren eigenen Zielen angegeben, dass Bildung der Schlüssel zum Tor der Welt ist und Sonja diesen Schlüssel vervielfältigen und ihn möglichst vielen Menschen übermitteln möchte. Zum Thema internationales Verständnis führte sie aus, dass sich die Armen nicht ausschließlich an die Reichen anpassen müssen, sondern die Reichen durchaus auch von den Armen lernen können.“
Öffentliches Engagement werde häufig als selbstverständlich angesehen und nicht anerkannt. „Mit dem YWPA-Award will Zonta dieses Engagement anerkennen und die Personen ins Rampenlicht rücken“, beschreibt die Komitee-Vorsitzende den Zweck des Preises.
Drei beispielhafte Persönlichkeiten. Engagement zeichnet auch die beiden Gewinnerinnen des zweiten Platzes aus: Lea Hellé, 17 Jahre, vom Kaiser-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg und Taima Rahmann, ebenfalls 17 Jahre alt, von der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach. Beide Damen sind weit über ihr persönliches Fortkommen hinaus aktiv. Lea arbeitet in der evangelischen Kirchengemeinde mit und betreut Pfadfinderinnen. Taima organisiert an ihrer Schule ein Patenprojekt. Schülerinnen und Schüler einer Intensivklasse mit ausländischen Kindern, die noch nicht so gut Deutsch können, sollen durch intensive Kontakte zu deutschen Paten schneller Sprache, Kultur und Gepflogenheiten erlernen und damit besser integriert werden.
Alle drei jungen Damen stehen beispielhaft für Persönlichkeiten, die der YWPA-Award auszeichnen möchte. „Wir würdigen den Einsatz junger Frauen für andere, die Hilfe benötigen oder sich selbst nicht äußern können. Das ist nicht selbstverständlich und entspricht genau den Zielen von Zonta International. Unser Club will junge Frauen ermutigen, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen und ihnen eine Anerkennung dafür aussprechen“, sagt Dr. Antje Reimann-Manai, Präsidentin des Zonta Clubs Bad Soden-Kronberg.
Der YWPA-Award ist mit 300 Euro dotiert, die zweiten Plätze bekommen Buchpreise. „Wir freuen uns jedes Jahr, dass wir so tolle junge Frauen im Rahmen des Ausschreibungsprozesses kennenlernen“, sagt Charlotte Eckhardt-Letzelter abschließend. Und die Preisträgerin? Was hat sie davon? „Allein die Bewerbung hat mich dazu gebracht, neben meiner Leidenschaft Medizin über das Frauenthema nachzudenken, mit dem ich bisher noch nicht so konfrontiert war. Ich kann dies jeder Mitschülerin nur empfehlen“, sagt Sonja Marschall. Sie wird sich als nächstes auf District-Ebene bewerben. Hier wird es europäisch, denn sie tritt gegen die Siegerinnen aus Italien und der Schweiz an. Der Preis ist mit 1.000 US-Dollar ausgelobt. Die District-Siegerinnen schließlich können sich dem internationalen Wettbewerb stellen. Hier werden zehn Preise zu je 4.000 US-Dollar vergeben.